Für Unternehmen wird der kontrollierte Umgang mit Daten immer wichtiger. Digitale Souveränität ist der Schlüssel moderner IT-Strategien.
Quelle: Swiss IT Magazine
Für Unternehmen wird der kontrollierte Umgang mit Daten immer wichtiger. Digitale Souveränität ist der Schlüssel moderner IT-Strategien.
Quelle: Swiss IT Magazine
Die Abhängigkeit von internationalen Technologieunternehmen wird laut einer Umfrage von GFS Bern¹ sehr kritisch beurteilt. Dies gilt nicht nur für technologische, sondern auch für politische und gesellschaftliche Aspekte. Das Marktforschungsunternehmen hebt dabei das ausgeprägte Bedürfnis nach digitaler Souveränität hervor. Aktuelle geopolitische Verwerfungen beschleunigen und verstärken diese kritische Haltung.
Besonders sensible oder geschäftskritische Informationen erfordern klare Zuständigkeiten und transparente Prozesse bei Speicherung und Verarbeitung.
Dabei gilt: Daten unterscheiden sich stark in ihrem Schutzbedarf. Kritische Informationen sollten ausschliesslich unter klar definierten Bedingungen verarbeitet werden. Unternehmen müssen sicherstellen, jederzeit Einfluss darauf zu haben, wo ihre Daten liegen und wer darauf zugreifen kann. Das gilt unabhängig davon, ob Cloud-Dienste oder klassische Outsourcing-Modelle genutzt werden.
Die Lücke zwischen globalem Hyperscaler und dem eigenen Serverraum wird vom regionalen, souveränen Rechenzentrum geschlossen.
Europa bietet mit der DSGVO einen vergleichsweise strengen Datenschutzrahmen. Dennoch reicht der reine Speicherort nicht aus. Entscheidend ist auch, welchem Rechtssystem ein Anbieter unterliegt. Insbesondere bei internationalen Anbietern können gesetzliche Regelungen wie der US CLOUD Act den Zugriff auf Daten ermöglichen.
Der CLOUD Act von 2018 bleibt eine Risikoquelle. Er gibt US-Behörden das Recht, US-Unternehmen zur Herausgabe von im Ausland gespeicherten Daten zu zwingen, selbst wenn diese Daten sich in einem Schweizer Rechenzentrum befinden. Und dies ist nicht nur Theorie. Für Organisationen mit sensiblen Informationen, vom geistigen Eigentum bis hin zu Kundendaten, entsteht dadurch eine komplexe rechtliche Spannung. Daher spielt die Auswahl eines geeigneten Providers eine zentrale Rolle für die Souveränität.
Nicht alle Daten benötigen das gleiche Schutzniveau. Während weniger kritische Anwendungen problemlos in Public-Cloud-Umgebungen betrieben werden können, gelten für sensible Unternehmens-, Kunden- oder Gesundheitsdaten deutlicli strengere Anforderungen. Unternehmen benötigen deshalb eine Datenstrategie, welche die unterschiedlichen Schutzbedürfnisse berücksichtigt und geeignete Betriebsmodelle definiert.
Entscheidend ist dabei nicht nur der Speicherort der Daten, sondern auch die Transparenz über Verantwortlichkeiten, Zugriffsrechte und Governance-Prozesse. Nur so lassen sich Compliance-Vorgaben nachhaltig erfüllen.
Der grösste Fehler ist aus unserer Sicht, nicht bewusst zu entscheiden, wo Daten gespeichert werden. Es muss klar geregelt sein, wo Workloads betrieben werden. Das bedingt eine Einschätzung des eigenen Bedarfs an Schutz und Sicherheit, der regulatorischen Anforderungen und des unternehmerischen Risikos. Wir plädieren dafür, dass besonders schützenswerte, geschäftskritische Daten oder sensible KIWorkloads in eine souveräne Umgebung im Schweizer Rechtsraum gehören. Der Entscheid soll sich bei Bedarf auch jederzeit ändern lassen. Es muss klar geregelt sein, wer über Zugriff, Betrieb, Änderungen oder im Extremfall über Abschaltungen entscheiden kann. Also geht es darum, die richtige Balance zwischen Kontrolle, Transparenz und Flexibilität herzustellen. Wer die Kontrolle über seine Daten und seine Infrastruktur verliert, verliert auch seine Handlungsfreiheit. Nur regionale Rechenzentren können drei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Digitale Souveränität, ausreichende Kl-Rechenleistung sowie geografische Nähe zum Kunden.
Um Kontrolle und Sicherheit zu gewährleisten, rückt das Konzept der souveränen Cloud zunehmend in den Fokus. Es richtet sich an Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und Compliance. Solche Ansätze lassen sich sowohl eigenständig betreiben als auch in hybride Infrastrukturen integrieren. Gerade hybride Modelle gewinnen an Bedeutung, da sie Flexibilität mit kontrollierter Datenhaltung verbinden. Souveräne Cloud-Ansätze bauen meist auf privaten oder hybriden Strukturen auf, erweitern diese jedoch um klare Vorgaben hinsichtlich Datenstandort, Kontrolle und Anbieterunabhängigkeit.
Die Fähigkeit, unabhängig über Daten und IT-Strukturen zu entscheiden, entwickelt sich zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Neben der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zählen dazu auch Transparenz, Flexibilität und die Vermeidung von Abhängigkeiten. Offene Standards und die Möglichkeit, Anbieter zu wechseln, stärken zusätzlich die Handlungsfähigkeit von Unternehmen.
Stabile IT-Systeme sind essenziell, um Ausfälle, Datenverluste und Cyberangriffe zu vermeiden. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen, etwa durch NIS2 oder vergleichbare Vorgaben. Ein ganzheitlicher Sicherheitsansatz umfasst sowohl physische Schutzmassnahmen als auch technische Lösungen wie Verschlüsselung und Zugriffskontrollen.
Der Standort Schweiz hat viele Vorteile: Wir haben politische Stabilität sowie klare rechtliche Rahmenbedingungen, das sorgt für eine hohe Rechtssicherheit und geringere juristische Risiken. Gepaart mit einer ColocationLösung, wo Drittanbieter für Sicherheit und Kontinuität sorgen, sind die Rahmenbedingungen für echte Datensicherheit und Compliance sehr gut und gegeben. Datensouveränität kann ohne lokale Datencenter nicht funktionieren.
Für Unternehmen mit hochsensiblen Daten lautet das Schlagwort: Sovereign Cloud. Eine Infrastruktur auf Schweizer Boden, unabhängig von ausländischen Einflussnahmen, konform mit Schweizer Datenschutzrecht — und dennoch skalierbar, performant und energieeffizient.
Digitale Souveränität bedeutet letztlich weit mehr als Datenschutz. Sie stärkt die Resilienz von Unternehmen und erhöht ihre Fähigkeit, technologische, regulatorische und geopolitische Veränderungen aktiv zu gestalten. Wer flexibel zwischen verschiedenen Plattformen wechseln, Daten kontrolliert verwalten und regulatorische Anforderungen zuverlässig erfüllen kann, verschafft sich langfristige Wettbewerbsvorteile.
Regionale Rechenzentrumsanbieter verstehen sich dabei nicht als Alternative zur Cloud, sondern als wichtiger Bestandteil moderner Hybrid- und Multi- Cloud-Strategien. Für Unternehmen mit besonders schützenswerten Daten wird digitale Souveränität damit zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor — nicht als Selbstzweck, sondern als Grundlage für Innovation, Vertrauen und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
Digitale Souveränität ist somit längst kein optionales Konzept mehr, sondern eine grundlegende Voraussetzung für nachhaltige Digitalisierung und somit nicht verhandelbar. Unternehmen, die auf flexible und zugleich kontrollierbare Cloud-Modelle setzen, schaffen die Basis für langfristigen Erfolg.
1) Digitalisierung der Schweiz unter Druck https://www.gfsbern.ch/de/news/digitalisierung-der-schweiz/

